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Plexiglas-Synthese

Organische Reaktionsketten sind ein wichtiges Thema beim schriftlichen Chemie-Abitur in NRW. Auch die meisten aktuellen Schulbücher haben sich darauf eingestellt, komplexe Reaktionsketten zu thematisieren. Eine dieser Reaktionsketten ist die Herstellung von Plexiglas aus einfachen Ausgangsstoffen wie Propan. Ich habe diese Reaktionskette auf dieser Seite in 13 Einzelschritte "zerlegt". Hauptquelle war der Buchner-Band Chemie 2000+, mit dem an meiner Schule vor einigen Jahren gearbeitet wurde, bevor wir auf den Schroedel-Band Chemie heute umgestiegen sind.

Zu dieser komplexen Reaktionskette habe ich eine Präsentation entwickelt, die Sie gerne hier herunterladen können. Einzelne Bilder dieser Präsentation werde ich im Folgenden besprechen. Schüler können sich auch ein Arbeitsblatt herunterladen, auf dem die 13 Schritte übersichtlich dargestellt sind, allerdings ohne nähere Angaben zu den Reaktionen, weil das sollen die S. ja selbst erarbeiten.

Reaktion 1-4: Herstellung von 2-Chlor-propan

siehe Text
  • Reaktion 1: Steamcracken von Erdöl liefert unter anderem Propen
  • Reaktion 2: Dehydrierung von Propan liefert Propen
  • Reaktion 3: Chlorierung von Propan liefert 2-Chlor-propan
  • Reaktion 4: Hydrochlorierung von Propen liefert 2-Chlor-propan.

Der direkteste Weg wäre die Reaktion 3. In einer radikalischen Substitution wird Propan, das man leicht aus Erdgas gewinnen kann, mit Chlor umgesetzt und erhält in hoher Ausbeute das 2-Chlor-propan und als Nebenprodukt 1-Chlor-propan.

"2-Chlorpropan kann durch Chlorierung von Propan erhalten werden, wobei abhängig von der Temperatur zu großen Teilen auch  1-Chlorpropan entsteht (siehe auch Markownikow-Regel)."

Quelle: Wikipedia, Artikel "2-Chlorpropan"

Geht man den Weg über Reaktion 2 und 4, erhält man fast nur 2-Chlor-propan, weil sich bei der Hydrochlorierung (4) das Proton des Chlorwasserstoffs nach der Markownikow-Regel an das primäre C-Atom anlagert, so dass das stabilere sekundäre Carbenium-Ion entsteht. Allerdings ist dieser Weg etwas aufwendiger, da er ja aus zwei Reaktionen besteht. Zur Frage, wie jetzt tatsächlich in der Industrie 2-Chlor-propan gewonnen wird, findet man in der Wikipedia und auch in anderen Internet-Quellen keine weiteren Hinweise.

Reaktion 5-6: Herstellung von Aceton

siehe Text

So zumindest wird das Verfahren in gängigen Schulbüchern dargestellt. Ob das industriell benötigte Aceton tatsächlich so hergestellt wird, ist fraglich.

"Das wichtigste Herstellungsverfahren von Aceton ist heutzutage das Cumolhydroperoxid-Verfahren, das auch als Phenolsynthese nach Hock bekannt ist".

Quelle: Wikipedia, Artikel "Aceton"

siehe Text

Das Cumol-Verfahren. Bild aus der Wikipedia.

Dieses Bild aus der Wikipedia zeigt in vereinfachter Weise das Cumol-Verfahren zur Aceton-Herstellung. Auf meiner eigenen Aceton-Seite habe ich dieses Verfahren ausführlicher dargestellt. In einigen Betrieben wird Aceton aber auch heute noch tatsächlich nach dem in der Präsentation beschriebenen Verfahren hergestellt, indem man Propan-2-ol oxidiert.

Reaktion 7: Bildung von Acetoncyanhydrin

siehe Text
  • Reaktion 7: Nucleophile Addition von Cyanwasserstoff (Blausäure) an Aceton. Es bildet sich ein Cyanhydrin als Zwischenprodukt, nämlich Acetoncyanhydrin.

Diese Verbindung ist ein wichtiges industrielles Zwischenprodukt, ein sogenannter C4-Baustein. Industriell wird Acetoncyanhydrin tatsächlich durch Addition von Cyanwasserstoff an Aceton hergestellt.

Reaktion 8-10: Bildung von 2-Carboxy-2-hydroxy-propanon

siehe Text
  • Reaktion 8: Elektrophile Addition von Wasser das Cyanhydrin. Es bildet sich ein instabiles Zwischenprodukt.
siehe Text
  • Reaktion 9: Das instabile Zwischenprodukt lagert sich um in ein etwas stabileres Zwischenprodukt, das Methacrylamid. In der Industrie wird dazu Schwefelsäure als Katalysator eingesetzt.
siehe Text

Nach Schritt 10 hat man endlich wieder ein stabiles Produkt gewonnen, eine Hydroxy-Carbonsäure mit dem Namen 2-Carboxy-2-hydroxy-propan. Alternativ könnte man die Verbindung auch als Derivat der Propansäure benennen: 2-Hydroxy-2-methyl-propansäure. Eine andere Bezeichnung ist 2-Hydroxy-isobuttersäure.

Reaktion 11: Bildung der Methacrylsäure

siehe Text
  • Reaktion 11: Eliminierung von Wasser, auch Dehydratisierung genannt. Es entsteht das wichtige industrielle Zwischenprodukt Methacrylsäure.

Die Frage, die sich immer wieder stellt, wenn man Schulbücher betrachtet, ist die: Wird das Produkte in der Industrie tatächlich so hergestellt wie im Buch beschrieben, oder hat man hier einen einfacheren didaktischen Ansatz gewählt, um die Schüler nicht zu überfordern?

"Mehr als 3 Millionen Tonnen Methacrylsäure werden jährlich produziert, wobei ein erheblicher Teil von Synthesen anderer chemischer Verbindungen ebenfalls über die Zwischenstufe Methacrylsäure gehen. Industriell wird sie aus Isobutylen und tert-Butanol hergestellt, welche erst zu Methacrolein und dieses dann weiter zu Methylmethacrylat oxidiert werden. Synthetisch kann sie ebenfalls durch Hydrolyse von Acetoncyanhydrin und anschließende Wasserabspaltung hergestellt werden."

Quelle: Wikipedia, Artikel "Methacrylsäure"

Reaktion 12: Bildung des Methyl-Esters

siehe Text
  • Reaktion 12: Die Methacrylsäure wird jetzt mit Methanol verestert.

Das Produkt dieses Schrittes ist das Monomer des Plexiglases, der Methacrylsäure-methylester.

In der Industrie wird das Plexiglas-Monomer tatsächlich nach diesem Schulbuch-Verfahren dargestellt. Allerdings gibt es seit 2008 ein einfacheres Verfahren zur Synthese von Methacrylsäure-methylester, das von Ethen ausgeht. Zunächst wird Ethen mit Kohlenmonoxid und Methanol in einem Schritt umgesetzt, und es entsteht mit hoher Effizienz Propansäure-methylester. In einem zweiten Reaktionsschritt wird dieser Propansäure-methylester mit Methanal (Formaldehyd) zur Reaktion gebracht und dann dehydratisiert, dabei entsteht Methacrylsäure-methylester. Nähere Einzelheiten dazu siehe "Methacrylsäuremethylester" in der Wikipedia.

Reaktion 13: Synthese von Plexiglas

siehe Text

Man sollte allerdings bedenken, dass "Plexiglas" ein Markenname ist. An sich heißt das Polymer Acrylglas oder Polymethylmethacrylat

Der Inhaber der Marke "Plexiglas" ist die Evonik Röhm GmbH, eine Tochtergesellschaft der Evonik Industries AG (Wikipedia).

Zusammenfassung

Als Zusammenfassung habe ich hier einen Screenshot des Arbeitsblattes eingefügt. Die genauen Angaben müssen die Schüler in das Arbeitsblatt noch eintragen.