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Einflussfaktoren

Geschwindigkeit - Faktoren - Messung - Konzentration - VD - VM - Methoden - Thiosulfat - Reaktionsordnung - Temperatur

Faktor 1:
Konzentration der Edukte

In drei Kolben wird 100 mL Salzsäure unterschiedlicher Konzentration gefüllt. Dazu wird jeweils die gleiche Menge an Zinkspänen gegeben.

In allen drei Kolben läuft folgende Reaktion ab:

Die Reaktion läuft mit steigender HCl-Konzentration schneller ab, was man an der Anzahl der aufsteigenden Gasbläschen halbquantitativ verfolgen kann. Alternativ könnte man das Gas mit einem Kolbenprober auffangen und genau messen. Eine andere Alternative: Man stellt die Kolben auf eine empfindliche Waage und verfolgt die Abnahme der Masse im Laufe der ersten Minuten.

In allen Fällen kommen wir zu dem folgenden Ergebnis:

Die Geschwindigkeit einer chemischen Reaktion hängt von der Konzentration der Ausgangsstoffe bzw. Edukte ab: Je größer c(Edukte), desto größer die Reaktionsgeschwindigkeit vR.

Hier gilt einer meiner Lieblings-Sprüche: "Viel hilft viel!". Eine hohe HCl-Konzentration beschleunigt die Reaktion erheblich. Zumindest gilt diese Aussage für die meisten chemischen Reaktionen; allerdings gibt es Ausnahmen, auf die ich hier aber nicht besonders ausführlich eingehen möchte.

Essigsäure-Magnesium-Beispiel

Eine Ausnahme, die Sie vielleicht aus dem Unterricht der Sekundarstufe 1 kennen, ist die Reaktion von Essigsäure mit Magnesium. Konzentrierte Essigsäure reagiert nur sehr schwach mit dem Metall, während verdünnte Essigsäure wesentlich heftiger reagiert. Der Grund für dieses seltsame Verhalten ist folgender: Das Metall reagiert gar nicht mit der Essigsäure selbst, also mit den CH3COOH-Molekülen, sondern mit den Oxonium-Ionen in der Lösung, den H3O+-Ionen. Und da konzentrierte Essigsäure so gut wie keine Oxonium-Ionen enthält, verläuft die Reaktion mit Magnesium auch recht langsam. Verdünnt man die Essigsäure allerdings, geben die Essigsäure-Moleküle Protonen an die Wasser-Moleküle ab, und es entstehen jede Menge Oxonium-Ionen. Diese reagieren dann wiederum mit den Magnesium-Atomen.

Faktor 2:
Zerteilungsgrad der Edukte

Wenn man Sie fragen würde, ob Eisen brennt, würden Sie doch wahrscheinlich mit einem klaren "Nein" antworten. In der Tat, wenn man einen Eisenträger in eine Flamme hält, passiert gar nichts. Man kann auch Töpfe aus Eisen oder Stahl stundenlang über ein Lagerfeuer halten, ohne dass der Topf groß zu Schaden kommt.

Eisenwolle dagegen verbrennt in der Bunsenflamme innerhalb weniger Sekunden, und wenn man Eisenstaub durch ein Glasrohr in die Bunsenflamme bläst, so erfolgt die Reaktion mit dem Luftsauerstoff noch viel schneller.

Ein zweites Beispiel soll das eben Gesagte verdeutlichen. Wenn man etwas Salzsäure auf eine Fensterbank tropft, die aus Marmor besteht, so passiert zunächst gar nichts. Erst nach einiger Zeit stellt man fest, dass sich kleine Bläschen bilden, dass es also zu einer chemischen Reaktion gekommen ist. Nimmt man dagegen kleine Marmorstückchen und übergießt sie in einem Erlenmeyerkolben mit Salzsäure, so kommt die Reaktion schon deutlich schneller in Gang. Pulverisiert man Marmor und gibt dann in einem Kolben Salzsäure dazu, findet sofort eine sehr heftige Gasbildung statt.

Die Geschwindigkeit einer chemischen Reaktion hängt von dem Zerteilungsgrad der Ausgangsstoffe bzw. Edukte ab: Je feiner die Ausgangsstoffe zerteilt sind, desto größer ist die Reaktionsgeschwindigkeit vR.

Das hängt natürlich mit dem Prinzip der Oberflächenvergrößerung zusammen. Ein Metallklotz reagiert nur an seiner Oberfläche mit der Säure. Ein Magnesiumwürfel der Kantenlänge 1 cm hat eine Oberfläche von 6 cm2. Zerteile ich den Würfel in acht gleich große kleinere Würfel, so habe ich immer noch die gleiche Masse Magnesium, aber jeder der kleineren Würfel hat eine Kantenlänge von 0,5 cm und eine Oberfläche von 6 * 0,5 * 0,5 = 1,5 cm2. Insgesamt haben wir acht solcher Würfel und somit eine Gesamtoberfläche von 12 cm2. Die Oberfläche hat sich also verdoppelt. Daher sollte sich auch die Reaktionsgeschwindigkeit mit der Säure verdoppelt haben. Und nun stellen Sie sich Magnesiumpulver vor. Wie groß wird hier die Gesamtoberfläche sein?

Faktor 3:
Temperatur

Ein dritter Faktor ist wichtig für die Geschwindigkeit einer chemischen Reaktion, die Temperatur.

Jeder Mensch weiß aus eigener Erfahrung, dass man chemische Reaktionen durch Erhitzen beschleunigen kann, zum Beispiel das Backen von Brot oder das Braten von Würstchen. Wir machen im Alltag ständig Gebrauch von dieser RGT-Regel (Reaktionsgeschwindigkeits-Temperatur-Regel).

RGT-Regel

Die Geschwindigkeit einer chemischen Reaktion verdoppelt sich, wenn die Temperatur um 10°C steigt.

Die RGT-Regel ist natürlich nur eine Faustregel, es gibt viele Reaktionen, bei denen man die Temperatur um 20 oder gar 30° erhöhen muss, damit es zu einer Verdopplung der Reaktionsgeschwindigkeit kommt, bei anderen Reaktionen reichen vielleicht schon 7 oder 8°C aus.

Was wir aber auf jeden Fall festhalten können, ist Folgendes:

Die Geschwindigkeit einer chemischen Reaktion hängt von der Temperatur der Umgebung ab: Je höher die Temperatur, desto größer ist die Reaktionsgeschwindigkeit vR.

Fassen wir am Ende alle wichtigen Erkenntnisse dieser Seite noch einmal übersichtlich zusammen:

Die Geschwindigkeit einer chemischen Reaktion nimmt zu mit der
- Konzentration der Edukte,
- mit dem Zerteilungsgrad der Edukte und
- mit der Temperatur.