Unter einer ökologischen Nische versteht man das Präferendum einer Art im n-dimensionalen Umweltfaktoren-Raum. Schauen wir uns die Sache mal für n = 1 an, also für nur einen einzigen Umweltfaktor.
Wenn man nur einen Umweltfaktor berücksichtigt, so ist die ökologische Nische identisch mit dem Präferendum in der Toleranzkurve.
In der Natur sind Lebewesen aber von vielen Umweltfaktoren gleichzeitig abhängig, und entsprechende komplex ist eine ökologische Nische. Betrachten wir den Fall n = 2, hier wird die Abhängigkeit von Lebewesen von zwei Umweltfaktoren gleichzeitig dargestellt.
Berücksichtigt man zwei Umweltfaktoren, so kann man die ökologischen Nischen verschiedener Arten mithilfe eines Diagramms wie oben gezeichnet darstellen. Das obige Diagramm könnte zum Beispiel die ökologische Nische von sechs verschiedenen Baumarten zegien. Auf der einen Achse ist der Umweltfaktor Bodenfeuchtigkeit eingezeichnet, auf der anderen Achse der Umweltfaktor pH-Wert des Bodens. Die roten Figuren entsprechen den Toleranbereichen, die grünen Bereiche innerhalb der Toleranzbereiche könnten für die Vorzugsbereiche stehen.
Bei drei Umweltfaktoren (n = 3) hilft eine dreidimensionale Graphik:
Diese Abbildung könnte zum Beispiel zwei Fischarten zeigen und ihre Abhängigkeit von der Temperatur, vom Salzgehalt des Wassers und vom pH-Wert. Die grün dargestellt Art bevorzugt hohe pH-Werte, geringe Salzgehalte und niedrige Temperaturen, während die rot dargestellte Art mittlere pH-Werte, hohe Salzgehalte und hohe Temperaturen bevorzugt.
Bei vier Umweltfaktoren (n = 4) kann man ökologische Nischen nicht mehr anschaulich darstellen, man müsste ein Koordinatensystem mit vier Achsen zeichnen. Bei fünf oder mehr Umweltfaktoren, wie sie in der freien Natur ja berücksichtigt werden müssen, ist eine anschauliche Darstellung überhaupt nicht mehr möglich. Dennoch bleibt die ökologische Nische das Präferendum im n-dimensionalen Umweltfaktoren-Raum.
Ökologische Nische
Eine ökologische Nische ist das Präferendum einer Art im n-dimensionalen Umweltfaktorenraum.
Der Biologe, der sich diese kurze Definition ausgedacht hat, war der amerikanische Zoologie George E. Hutchinson. Diese Definition des Begriffs ökologische Nische ist heute allgemein anerkannt.
Ökologische Nische und Habitat
Das Habitat ist der Lebensraum einer Art, beispielsweise ein Wald, eine Blumenwiese oder der menschliche Dickdarm. Ein solches Habitat kann von vielen verschiedenen Arten gleichzeitig besiedelt werden.
Dass mehrere Arten im gleichen Lebensraum nebeneinander existieren können, liegt daran, dass sie unterschiedliche ökologische Nischen besetzen. Sie unterscheiden sich also in mindestens einem wichtigen Umweltfaktor oder in der Art und Weise, wie sie die verfügbaren Ressourcen nutzen.
Ein bekanntes Beispiel sind die Darwinfinken auf den Galapagos-Inseln. Mehrere Finkenarten leben auf derselben Insel und ernähren sich von Pflanzensamen. Die einzelnen Arten haben sich jedoch auf unterschiedliche Samen spezialisiert. Einige fressen vor allem kleine Samen, andere bevorzugen größere und härtere Samen.
Obwohl die verschiedenen Finkenarten dasselbe Habitat nutzen, unterscheiden sie sich in ihrer Ressourcennutzung. Sie besetzen daher unterschiedliche ökologische Nischen.