Lernziele
Wenn Sie diese Seite durchgearbeitet haben, sollten Sie
- wissen, dass DNA die Abkürzung für "Deoxyribonucleic acid" ist,
- erläutern können, dass ein DNA-Molekül aus zwei Einzelsträngen besteht, die sich schraubenförmig umeinander winden und zusammen eine Doppelhelix bilden,
- den chemischen Aufbau eines DNA-Einzelstrangs beschreiben können, also den Aufbau aus Desoxyribose, Phosphorsäure und jeweils einer von vier Basen,
- die Struktur von Phosphorsäure und Desoxyribose in ihren Grundzügen wiedererkennen,
- den ungefähren Aufbau der vier DNA-Basen beschreiben oder wiedererkennen,
- erklären können, was mit dem 3'-Ende und dem 5'-Ende eines DNA-Einzelstrangs gemeint ist,
- das Prinzip der Basenpaarung erläutern können,
- wissen, dass zwischen Adenin und Thymin zwei Wasserstoffbrücken und zwischen Guanin und Cytosin drei Wasserstoffbrücken ausgebildet werden,
- die Bedeutung der Basenpaarung für den Aufbau und die Stabilität der DNA erklären können.
KI-Zusammenfassung
Die DNA ist ein langkettiges Molekül, das aus zwei gegenläufigen Einzelsträngen besteht, die zusammen eine Doppelhelix bilden. Jeder Einzelstrang besitzt ein Zucker-Phosphat-Rückgrat und enthält als dritten Baustein jeweils eine der vier Basen Adenin, Thymin, Guanin oder Cytosin. Die Basen sind so angeordnet, dass sich immer nur Adenin mit Thymin und Guanin mit Cytosin paart. Dadurch sind die beiden DNA-Stränge komplementär zueinander und passen wie zwei aufeinander abgestimmte Hälften zusammen. Diese Basenpaarung stabilisiert nicht nur die Struktur der DNA, sondern ermöglicht auch ihre genaue Verdopplung bei der Zellteilung.
Kurzfassung
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Chemische Struktur der DNA
Bereits Friedrich Miescher (1844 - 1895) entdeckte in den Jahren 1869 bis 1871 Stoffe aus Zellkernen, die man heute als Nucleinsäuren bezeichnet. Die von ihm aus Eiterzellen auf altem Verbandsmaterial isolierte Substanz nannte er Nuklein. Später wies er solche Stoffe auch in Lachsspermien nach. Auffällig war dabei vor allem der hohe Gehalt an Phosphat. Welche große biologische Bedeutung diese Stoffgruppe tatsächlich hat, war damals allerdings noch nicht absehbar; viele Forscher hielten zunächst die Proteine für die wichtigeren Moleküle der Vererbung.
Der Begriff "Nucleinsäure" wurde übrigens erst 1889 von Richard Altmann eingeführt. Miescher hatte aber bereits erkannt, dass sein "Nuklein" saure Eigenschaften besitzt.
Schauen wir uns nun den chemischen Aufbau der DNA etwas genauer an. Die DNA liegt in Form einer Doppelhelix vor, die aus zwei gegenläufigen Strängen besteht. Jeder DNA-Einzelstrang setzt sich aus drei Bausteinen zusammen:
- Phosphat
- Desoxyribose, ein Zucker mit fünf C-Atomen
- eine von vier möglichen Basen
Im Folgenden lernen wir diese drei Bausteine näher kennen.
Baustein 1: Phosphat
Schon frühe chemische Analysen zeigten, dass die DNA besonders viel Phosphat enthält. Ausgangspunkt ist die Phosphorsäure H3PO4. In der DNA liegt sie jedoch nicht als freie Phosphorsäure vor, sondern als Bestandteil von Phosphat-Gruppen, die mit Zucker-Bausteinen verknüpft sind.
Ein Phosphorsäure-Molekül (links) und eine Phosphatgruppe, die mit zwei Desoxyribose-Molekülen verbunden ist.
Autor: Ulrich Helmich 2021, Lizenz: Public domain.
Die Phosphorsäure ist eine dreiprotonige Säure. Sie kann also nacheinander drei Protonen abgeben. Dabei entstehen nacheinander das Dihydrogenphosphat-Ion H2PO4-, das Hydrogenphosphat-Ion HPO42- und schließlich das Phosphat-Ion PO43-.
Für den Aufbau der DNA ist vor allem wichtig, dass Phosphat-Gruppen mit OH-Gruppen von Zucker-Molekülen reagieren können. In der DNA verbindet sich jede Phosphat-Gruppe mit zwei Desoxyribose-Bausteinen. Auf diese Weise entsteht zusammen mit den Zucker-Molekülen das regelmäßige Zucker-Phosphat-Rückgrat des DNA-Strangs.
Baustein 2: Desoxyribose
Man fand früh heraus, dass die DNA nicht nur viel Phosphat enthält, sondern auch den Zucker Desoxyribose. Desoxyribose ist ein Zucker mit fünf C-Atomen und gehört damit zu den Pentosen.
Ein β-Ribose- und ein Desoxyribose-Molekül
Autor: Ulrich Helmich 2021, Lizenz: Public domain.
Die Desoxyribose ist eng mit der Ribose verwandt, die in der RNA vorkommt. Bei der Desoxyribose wurde gegenüber der Ribose am C2'-Atom eine OH-Gruppe durch ein H-Atom ersetzt. Daher spricht man von einer Desoxy-Ribose. Chemisch ist sie also ein veränderter Zucker, genauer gesagt ein Desoxy-Zucker.
Wichtig für die DNA-Struktur sind vor allem drei Stellen des Zuckers: das C1'-Atom, das C3'-Atom und das C5'-Atom. Am C1'-Atom wird eine Base gebunden, und über das C3'-Atom sowie das C5'-Atom kann die Desoxyribose mit Phosphat-Gruppen verknüpft werden.
Eine Phosphatgruppe verbindet zwei Desoxyribose-Moleküle unter Wasser-Abspaltung.
Autor: Ulrich Helmich 2021, Lizenz: Public domain.
Auf diesem Bild sieht man, wie eine Phosphat-Gruppe zwei Desoxyribose-Moleküle miteinander verbindet. Dabei entsteht eine Phosphodiester-Bindung. Das Phosphat ist mit dem C3'-Atom des einen Zuckers und mit dem C5'-Atom des nächsten Zuckers verknüpft. Genau diese 3'-5'-Verknüpfung ist typisch für einen DNA-Strang.
Ein DNA-Strang besitzt daher auch eine feste Richtung. An einem Ende befindet sich ein freies C5'-Atom mit einer daran gebundenen Phosphat-Gruppe; dieses Ende nennt man 5'-Ende. Am anderen Ende befindet sich ein freies C3'-Atom mit einer OH-Gruppe; dieses Ende heißt 3'-Ende.
Ein einzelnes Phosphat zusammen mit zwei Zucker-Bausteinen ist natürlich noch kein DNA-Einzelstrang. Werden jedoch viele solcher Bausteine hintereinander verknüpft, entsteht ein längeres Zucker-Phosphat-Rückgrat.
Wenn sich Phosphorsäure mit einer OH-Gruppe eines Zuckers verbindet, liegt chemisch eine Form der Veresterung vor. Mehr zu diesem Vorgang und zur Stoffgruppe der Ester erfahren Sie auf dieser Seite im Chemie-Lexikon.
Schauen wir uns dazu das nächste Bild an:
Ein Trinucleotid sowie ein Nucleotid und ein Nucleosid
Autor: Ulrich Helmich 2021, Lizenz: Public domain.
Im linken Bereich der Abbildung sehen wir bereits ein etwas längeres Molekül aus mehreren Zucker- und Phosphat-Bausteinen. Auch dieser Strang hat ein 5'-Ende und ein 3'-Ende. Er kann also prinzipiell an einem Ende weiter verlängert werden, solange weitere passende Bausteine angelagert und verknüpft werden.
Ein paar Fachbegriffe, die man kennen sollte
Nucleosid
Ein Nucleosid besteht aus einer Base und einer Desoxyribose. Ein Phosphat-Rest ist noch nicht vorhanden.
Nucleotid
Ein Nucleotid besteht aus einer Base, einer Desoxyribose und einem Phosphat-Rest. Die Base sitzt am C1'-Atom der Desoxyribose, das Phosphat ist in DNA-Bausteinen mit dem Zucker-Rückgrat verknüpft.
Trinucleotid
Ein Trinucleotid besteht aus drei miteinander verknüpften Nucleotiden.
DNA-Einzelstrang
Ein DNA-Einzelstrang ist ein Polynucleotid, also eine Kette aus vielen miteinander verknüpften Nucleotiden.
Baustein 3: Die Basen
Kommen wir nun zu der Frage, wodurch die beiden DNA-Einzelstränge zusammengehalten werden. Das Zucker-Phosphat-Rückgrat trägt viele negative Ladungen, weil die Phosphat-Gruppen negativ geladen sind. Eigentlich müssten sich zwei solche Stränge daher elektrostatisch abstoßen. Stabil wird die DNA-Doppelhelix erst durch die Wechselwirkungen zwischen den Basen sowie durch die besondere räumliche Anordnung des Moleküls.
Für Chemie-Experten
Die Stabilität der DNA hängt unter anderem vom pH-Wert und von den in der Lösung vorhandenen Ionen ab. In Zellen helfen vor allem positiv geladene Ionen dabei, die negativen Ladungen der Phosphat-Gruppen teilweise abzuschirmen. Außerdem tragen nicht nur Wasserstoffbrücken, sondern auch Basenstapelung und weitere zwischenmolekulare Kräfte zur Stabilisierung der Doppelhelix bei.
Wie sehen nun die vier DNA-Basen aus?
Die vier Basen der DNA, im Uhrzeigersinn: Thymin, Adenin, Guanin und Cytosin.
Autor: Ulrich Helmich 2021, Lizenz: Public domain.
Auf dem Bild sehen wir die vier DNA-Basen. Die beiden größeren Basen Adenin und Guanin sind Purine. Ihr Grundgerüst besteht aus zwei miteinander verbundenen Ringen. Die beiden kleineren Basen Thymin und Cytosin sind Pyrimidine. Ihr Grundgerüst besteht nur aus einem Ring.
Diese Ring-Systeme tragen zusätzliche funktionelle Gruppen, zum Beispiel Amino-Gruppen oder O-Atome mit Doppelbindung. Genau diese Gruppen sind entscheidend dafür, welche Basen miteinander passende Wasserstoffbrücken ausbilden können.
Alle vier Basen sind mit dem C1'-Atom der Desoxyribose verbunden. Wichtig ist nun, dass sich jeweils eine große Base mit einer kleinen Base paart. Nur so bleibt der Abstand zwischen den beiden Zucker-Phosphat-Rückgraten annähernd gleich. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die regelmäßige Form der DNA-Doppelhelix.
Auf dieser Lexikonseite finden Sie weitere Informationen zu den einzelnen DNA-Basen. Dort werden auch weitere Basen wie Uracil aus der RNA oder spezielle Schädigungen wie Thymin-Dimere vorgestellt.
Basenpaarung
Der entscheidende Schritt zum Verständnis der DNA-Struktur war die Erkenntnis, dass sich die Basen nicht beliebig miteinander verbinden, sondern nach festen Regeln. Diese Basenpaarung ist eine der wichtigsten Grundlagen der Molekularbiologie.
Die A-T-Paarung
Das Basenpaar Adenin-Thymin
Autor: Ulrich Helmich 2021, Lizenz: Public domain.
Adenin und Thymin können sich über zwei Wasserstoffbrücken miteinander verbinden. In Strukturzeichnungen werden manche H-Atome der Übersichtlichkeit halber oft weggelassen; für das Verständnis der Wasserstoffbrücken sind sie jedoch wichtig.
Die G-C-Paarung
Das Basenpaar Guanin-Cytosin
Autor: Ulrich Helmich 2021, Lizenz: Public domain.
Guanin und Cytosin können sich über drei Wasserstoffbrücken paaren. Deshalb ist eine G-C-Paarung im Mittel etwas stabiler als eine A-T-Paarung. Zur Stabilität der DNA tragen jedoch nicht nur die Wasserstoffbrücken bei, sondern auch weitere Wechselwirkungen zwischen benachbarten Basen.
Bedeutung der Basenpaarung
Die Reihenfolge der Basen in der DNA speichert die genetische Information. Weil stets nur Adenin mit Thymin und Guanin mit Cytosin zusammenpasst, bestimmt die Basenfolge des einen Strangs automatisch die Basenfolge des anderen Strangs. Man sagt: Die beiden Stränge sind komplementär.
Diese Komplementarität ist besonders wichtig bei der Replikation, also der Verdopplung der DNA. Dabei werden die beiden Stränge voneinander getrennt. Jeder Einzelstrang dient dann als Vorlage für den Aufbau eines neuen komplementären Strangs. Zu jedem Adenin wird also ein Thymin-Nucleotid eingebaut, zu jedem Guanin ein Cytosin-Nucleotid und umgekehrt.
Auf diese Weise entstehen aus einer DNA-Doppelhelix zwei neue, in ihrer Basensequenz weitgehend identische DNA-Doppelhelices.
Zu guter Letzt schauen wir uns noch ein Bild an, das den Zusammenhang zwischen Zucker-Phosphat-Rückgrat, Basenpaarung und Gegenläufigkeit der Stränge gut erkennen lässt.
Ein kurzer DNA-Doppelstrang aus vier Basenpaaren A-T, C-G, T-A und G-C.
Quelle: Wikipedia, Artikel "Basenpaar", Autor: Madeleine Price Ball (Madprime), Lizenz: CC BY-SA.
Auf diesem Bild sieht man gut, dass die beiden DNA-Stränge gegenläufig verlaufen. Beim einen Strang liegt oben das 5'-Ende und unten das 3'-Ende, beim anderen Strang ist es genau umgekehrt. Diese Gegenläufigkeit ist ein wesentliches Merkmal der DNA-Doppelhelix.
Würden die beiden Stränge nicht gegenläufig, sondern gleichgerichtet verlaufen, wäre die räumliche Anordnung der Basen und des Zucker-Phosphat-Rückgrats deutlich ungünstiger. Die bekannte stabile Form der DNA-Doppelhelix könnte dann nicht in derselben Weise entstehen.
Quellen:
- Oberstufen-Lehrbücher der Biologie
- Jochen Graw: Genetik, 7. Auflage, Springer Spektrum, Berlin 2021.
- Wikipedia, Artikel "Basenpaar".