Helmichs Biologie-Lexikon

Gesetz des Minimums / Maximums

Das folgende Bild zeigt einen Gartenschlauch, in dem zwei Wasserhähne hintereinander geschaltet sind. Der Wasserhahn 1 ist vollständig geöffnet, der Wasserhahn 2 dagegen nur zur Hälfte:

Gartenschlauch mit zwei hintereinander geschalteten Wasserhähnen, von denen einer vollständig und der andere nur halb geöffnet ist

Illustration des Gesetzes des Minimums
Abbildung: Ulrich Helmich / erstellt mit ChatGPT, 2026

Die Menge an Wasser, die jetzt pro Sekunde aus dem Ende des Schlauches austritt, hängt von dem Wasserhahn ab, der am wenigsten geöffnet ist.

Dieses KI-generierte Bild soll das Gesetz des Minimums illustrieren, das auf Justus von Liebig zurückgeht und von ihm im 19. Jahrhundert auf die Ernährung und das Wachstum von Pflanzen angewendet wurde.

Wirkung minimaler Faktoren

Justus von Liebig beschäftigte sich intensiv mit der Ernährung von Pflanzen und der Bedeutung verschiedener Mineralstoffe für das Pflanzenwachstum. Dabei wurde deutlich, dass das Wachstum einer Pflanze durch denjenigen notwendigen Faktor begrenzt wird, der im Verhältnis zum Bedarf am knappsten vorhanden ist. Diese Aussage ist als Liebigs Gesetz des Minimums bekannt geworden.

Ähnlich wie bei dem Gartenschlauch mit den zwei Wasserhähnen kann beispielsweise ein reichliches Angebot an Kalium K+ einen Mangel an Magnesium Mg2+ nicht ausgleichen. Magnesium ist in diesem Fall der begrenzende oder limitierende Faktor, ähnlich wie im Bild der nur halb geöffnete zweite Wasserhahn.

Mit Wasser gefüllter Plastikbecher mit drei unterschiedlich hoch liegenden Löchern, aus denen Wasser herausfließt

Illustration des Gesetzes des Minimums
Abbildung: Ulrich Helmich / erstellt mit ChatGPT, 2026

Dieses Bild zeigt einen Plastikbecher, in dem sich auf unterschiedlicher Höhe drei kleine Löcher befinden, aus denen das Wasser wieder herausfließt. Die Höhe des untersten Lochs bestimmt die Menge des Wassers, die in dem Becher verbleiben kann.

Auch dieses Bild ist eine schöne Veranschaulichung des Gesetzes des Minimums: Das am stärksten begrenzende Element bestimmt die Leistungsfähigkeit des gesamten Systems.

Wirkung maximaler Faktoren

Das Gesetz des Minimums berücksichtigt zunächst nur den Mangel an einem notwendigen Faktor. Pflanzenwachstum kann aber auch dadurch eingeschränkt werden, dass ein Umweltfaktor in zu großer Menge beziehungsweise zu hoher Intensität vorhanden ist. Wenn beispielsweise die Temperatur oder die Bodenfeuchtigkeit einen bestimmten Wert überschreitet, kann auch dies das Pflanzenwachstum limitieren.

Zimmerpflanze in einem Blumentopf mit Staunässe und Sauerstoffmangel im Wurzelraum

Wirkung eines Umweltfaktors im Übermaß: Staunässe
Abbildung: Ulrich Helmich / erstellt mit ChatGPT, 2026

Wird eine Zimmerpflanze nicht genug gegossen, kann sie eingehen, weil sie vertrocknet. Wasser ist hier der limitierende Minimalfaktor. Wird sie dagegen zu viel gegossen, kann sie ebenfalls eingehen. Im Wurzelraum führt der Wasserüberschuss zu Staunässe. Die mit Wasser gefüllten Bodenporen enthalten dann immer weniger Luft, so dass den Wurzeln nicht mehr genügend Sauerstoff für die Zellatmung zur Verfügung steht.

Toleranzkurven

Das Beispiel zeigt: Nicht nur ein Mangel, sondern auch ein Übermaß eines Umweltfaktors kann das Wachstum eines Organismus begrenzen. Zwischen Minimum und Maximum liegt ein Bereich, in dem der betreffende Umweltfaktor günstige Bedingungen bietet, in dem der Organismus nicht nur gut leben kann, sondern sich auch fortpflanzen kann.

Solche Zusammenhänge lassen sich mit Toleranzkurven darstellen.