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Plastiktüten

Jeder kennt die unzähligen Einfkaufstüten aus Plastik, die unsere Umwelt immer mehr verschmutzen, wenn sie achtlos weggeworfen werden. Bis eine Plastiktüte auf natürliche Weise verrottet, vergehen 10 bis 30 Jahre!

Diese Einkaufstüten oder Einweg-Tragetaschen, wie sie heißen, bestehen in der Regel aus Polyethylen hoher Dichte (PE-HD). Wenn wir eine solche Plastiktüte näher untersuchen, stellen wir fest, dass sie nur ca. 20 g wiegt, also sehr leicht ist. Die Kunststoff-Folie, aus der eine Einkaufstasche besteht, ist mit 50 Mikrometern (also 0,05 mm) extrem dünn.

Umweltbilanz der Herstellung

In Deutschland wurden im Jahre 2015 ca. 70 Plastiktüten pro Einwohner verbraucht, in der gesamten EU sogar 198 Tüten pro Einwohner. Die Deutschen sind also noch relativ sparsam, was den Einsatz dieser Einkaufstüten angeht. Deutschland hat ca. 80 Millionen Einwohner, wenn wir diese Zahl mit 70 multiplizieren, kommen wir auf 5,6 Milliarden Plastiktüten, die in einem Jahr verbraucht worden sind. In Europa wurden dann bei 509 Millionen Einwohnern sogar 509 * 198 = 100782 Millionen oder rund 100 Milliarden Tüten.

Jede Plastiktüte wiegt ca. 20 g, die 100 Milliarden Plastiktüten haben also ein Gesamtgewicht von 2 Millionen Kilogramm, also mindestens 2 Millionen Tonnen Rohstoffe (meistens Ethen).

Das ist aber noch nicht alles. Neben den "Baustoffen", also den 2 Millionen Tonnen Ethen, werden noch einmal 2 Millionen Tonnen Erdgas oder Erdöl verbraucht, um die für die Polymerisation notwendige Wärmeenergie bereitzustellen. Insgesamt werden also 4 Millionen Tonnen wertvolle Rohstoffe in Europa pro Jahr benötigt. Das sind fast 7% aller überhaupt in Europa produzierten Kunststoffe[1].

Die Aktionen verschiedener Umweltschutzverbände haben aber schon etwas Erfolg gehabt: Der Verbrauch von Plastiktüten in Deutschland lag im Jahr 2016 bei "nur noch" 45 Tüten pro Einwohner, und im Jahr 2017 ist der Verbrauch sogar auf rund 29 Tüten pro Einwohner gesunken[2]. Die Europäische Union ist da lange noch nicht so weit. Nach einer aktuellen Verordnung müssen die Länder der EU "den Verbrauch von Einweg-Plastiktüten bis Ende 2019 auf höchstens 90 Stück und bis Ende 2025 auf höchstens 40 Stück pro Einwohner und Jahr begrenzen"[1].

Was kann man machen?

Man muss nicht auf Plastiktüten verzichten. Das Hauptübel ist aber, dass sie meistens nur einmal verwendet und dann weggeworfen werden. Eine normale Plastiktüte kann durchaus mehrere Male eingesetzt werden, bis sie nicht mehr "tragbar" sind. Wenn sie dann ausgedient hat, wird sie nicht  irgendwo weggeworfen, sondern kommt in den Plastikmüll (gelbe Tonne, gelber Sack).

Alternativen zu billigen Einweg-Plastiktüten gibt es natürlich auch: hochwertige Mehrweg-Plastiktaschen oder Baumwoll-, Jute- und Papiertaschen, wenn man ganz vom Plastik wegkommen möchte.

Quellen:
Chemiebücher für die gymnasiale Oberstufe (Klett, Schroedel und andere) und außerdem
[1] Dieter Wöhrle, "Wichtige Werkstoffe unserer Zeit - Kunststoffe" in Chemie in unserer Zeit 2018, 52, S. 2ff.
[2] "Verbrauch von Plastiktüten in Deutschland geht zurück", Frankfurter Allgemeine, aktualisiert am 07.06.2018.